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FutureLAB mit Alternative zu UMTS

Basler Zeitung vom 8. Mai 2001, Seite 17

Das Winterthurer Start-up FutureLAB will Technologien von morgen schon heute entwickeln und arbeitet derzeit an einer Alternative zur dritten Mobilfunk-Generation UMTS. Das Unternehmen ist bereits das zweite, welches das Ehepaar Catherine Rudolf und Matthias Aebi aufbaut.

Von Patricia Faller

Winterthur. «Die Anwendungen von morgen schon heute liefern» - das ist die Misson des Start-ups futureLAB. Der Name ist Programm: «Wir wollen Technologien und Projekte entwickeln, von denen wir glauben, dass sie in zwölf Monaten gefragt sind», erklärt Geschäftsführer Matthias Aebi. Erfunden werden soll diese Zukunft in einer alten Villa mit Baujahr 1790, umgeben von einem verwachsenen Garten mitten in Winterthur - einer Villa, von welcher der mit dem Umbau beauftragte Architekt behauptet, es beruhe auf Magie, dass dieses Haus überhaupt noch steht. Das unter Heimatschutz stehende Anwesen soll jetzt mit modernster High Tech ausgestattet werden: drahtlose Kommunikations-Netzwerke und via Computer steuerbare Licht- und Temperaturregler - kurz: ein Prototyp des papierarmen Büros soll entstehen. Der drahtlose Zugang zum Internet soll überall auf dem Gelände möglich sein, auch im Garten. Die eingehenden Nachrichten, egal über welchen Kanal sie gesendet werden, sei es über Handy, E-Mail oder Festnetztelefon, sollen alle in einem elektronischen Briefkasten ankommen. Und nicht zuletzt sollen die Sicherheitsstandards für die Datenübertragung so anspruchsvoll wie die bei Banken sein. Schliesslich soll das Zukunftslabor inklusive der Privatwohnung des Gründerehepaars zum Demonstrationsobjekt für Kunden werden. Warum die Zukunft gerade in Winterthur beginnen soll? «Wir suchten eine kreative Umgebung, die uns inspiriert und Freiraum für Gedanken bietet», begründet Catherine Rudolf, Chefin für das operative Geschäft, die Wahl der sechstgrössten Stadt der Schweiz, die einen Grünflächenanteil von 70% hat. Und der Stadt Zürich zwar überdrüssig, wollte das futureLAB-Team aber doch nicht ganz auf die Nähe der Metropole verzichten.

Geringere Strahlung als Handys

Ein Projekt, mit dem sich die modernen Denker derzeit befassen, gehört in den Bereich der «Location based Services», wie die Dienste genannt werden, bei denen ortsspezifische Informationen über Hotels und Restaurants übers Handy abgerufen werden können. Dabei entwickelt der Zehn-Mann-Betrieb eine Software für die mobilen Informationsdienste, mit deren Hilfe Informationen wie täglich wechselnde Termine und Lokalitäten für Konzerte und Ausstellungen automatisch aus dem Internet herausgefiltert werden.

Zudem arbeitet das futureLAB-Team an einer Alternative zur Technologie für die dritte Mobilfunkgeneration UMTS. Denn UMTS habe ein entscheidendes Manko - der Standard basiert auf dem Telefon- und nicht auf einem Datennetz, sprich die Kapazitäten sind viel geringer. Davon abgesehen sind bei UMTS zumindest in der Anfangsphase bei den Geräten Engpässe absehbar, so Aebi. «Dabei hat die Computerwelt das Problem der mobilen Datenübertragung bereits gelöst», stellt Aebi fest. FutureLAB setzt auf sogenannte Wireless Local Area Networks (WLAN), drahtlose Kommunikations-Netzwerke, wie sie in Firmengebäuden, an Flughäfen oder auf amerikanischen Universitätsgeländen bereits bestehen. Das Projekt von futureLAB soll diese Lösung in grossflächigerem Stil vorantreiben. Die Vorteile: Die Übertragungsrate liegt bei 11 Megabit pro Sekunde (bei UMTS zwei Megabit pro Sekunde) und die Geräte wie Webpads oder Taschencomputer, die mit Mikrofonen und Lautsprechern ausgestattet sind, sind bereits erhältlich. Hinzu kommt, dass die Sendepunkte zehnmal geringer strahlen als ein Handy und die Sender lediglich halb so gross sind wie eine Tafel Schokolade. Sie können leicht in einer Laterne oder an Gebäuden versteckt werden. Auch schätzt Aebi, dass diese Technologie nur einen Bruchteil von UMTS kosten werde, doch den Beweis muss ein Projekt mit der Zürcher Hochschule Winterthur noch erbringen. Derzeit ist das Start-up auf der Suche nach Geldgebern für einen Prototyp. Notwendig wären zwei bis drei Mio. Fr. Doch die Financiers sind zaghafter geworden. FutureLAB ist bereits die zweite Firma, die das Ehepaar Catherine Rudolf und Matthias Aebi gegründet hat. Aebi ist der Ideen-Generator, Catherine Rudolf die «Schafferin», wie sie sagt. Sie achtet darauf, dass Ergebnisse und Erfolge sichtbar werden und dass mit dem Geld nicht zu verschwenderisch umgegangen wird. Die beiden haben zuvor bereits den Internet-Provider Internet Access aufgebaut, den sie, als das Wachstum nicht mehr aus eigener Kraft bewältigt werden konnte, an Diax verkauften. In dem schwerfälligen Unternehmenskomplex Diax fühlten sich Rudolf und Aebi aber nicht lange wohl. Mit dem früheren Kernteam von zehn Leuten und Seed-Money von 608 000 Fr. schlossen sie sich deshalb im August zu einer neuen Firma zusammen. Umsatzzahlen und -ziele von futureLAB zu nennen, dazu sei es noch zu früh, meint Aebi. Nur so viel: Die Firma trägt sich durch einige «Brotprojekte», bei denen sie aufs Know-how aus Internet-Access-Zeiten zurückgreifen kann.

Stets Laborcharakter bewahren

Der Dritte im Managementbund des Start-ups ist Stefan Müller, verantwortlich fürs Marketing. Bevor er bei futureLAB einstieg, war er Mitgründer von Prime Communications, einer der führenden Schweizer PR-Agenturen für die Technologie-Branche. Trotz aller Wachstumspläne, der Laborcharakter soll erhalten bleiben. «Sollten andernorts Niederlassungen notwendig werden», so Catherine Rudolf, «dann sollten dort nie mehr als 20 Leute arbeiten, damit der kreative und familiäre Charakter gewahrt bleibt, in dem sich so herrlich neue Ideen entwickeln lassen.»

 
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