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Harte Landung auf dem Boden der Realität

Futurelab - ein Think-Tank für die Telekom-Branche

NZZ, 24.9.2002

Mit der Entwicklung und dem Verkauf von neuen Produkten in der Telekom-Branche wollte ein elfköpfiges Team in Winterthur seine Brötchen verdienen. Doch die Gründung der Firma Futurelab fiel just in die Zeit, als die Blase platzte. So müssen die kreativen Köpfe ihr Geld vorerst mit dem Verkauf der eigenen Arbeitskraft verdienen. Doch der ursprüngliche Traum ist noch nicht vergessen.

Nö.Das Ziel des Unternehmens Futurelab ist, wie der Name sagt. die Nase in den Wind zu halten und vielversprechende Ideen so weit um umzusetzen. bis diese an die grossen Konzerne verkauft werden können. Dabei fokussiert sich das Unternehmen vorwiegend aufden Telekommunikationsbereich. Allerdings stand die Gründung von Futurelab im Mai 2000 unter einem ungünstigen Stern. Gerade in dieser Zeit setzte nämlich allmählich die Flaute in der Telekom ein. und die Branche kämpft seither mit anderen Problemen. Die harte Realität holte schliesslich auch die Querdenker in Winterthur ein. Futurelab musste vorerst aufPlan B zurückgreifen:Dieser sieht vor, den Kunden nicht die eigens entwickelten Neuigkeiten zu verkaufen. sondern schlicht die Arbeitskraft.

Klein, aber hoch professionell

Plan B zahlte sich für das Jungunternehmen bisher aus, was eigentlich nicht weiter zu erstaunen vermag, denn die ursprüngliche Idee des Aufbaus eines Think-Tanks setzt grundsätzlich voraus, dass nur hoch qualifizierte Software- und Netzwerk-Spezialisten bei Futurelab eine Beschäftigung finden. Die meisten des nur gerade elfköpfigen Teams arbeiten ausserdem schon seit längerem zusammen, alle sind auch finanziell an dem Unternehmen beteiligt. Den Anfang nahm die Geschichte der kleinen, aber hoch professionellen Unternehmung schon einige Jahre vor der offiziellen Gründung von Futurelab. Bereits in den neunziger Jahren hatte der CEO und 50% der Aktien besitzende Matthias Aebi einen Internet Provider Service aufgebaut. Die Internet Access AG wurde schliesslich 1998 dem damaligen Telekommunikationsanbieter Diax verkauft, wobei die Mitarbeiter inklusive Aebi von dem neuen Besitzer übernommen wurden.

Doch schon nach kurzer Zeit wurde das Korsett des grossen Konzerns für den kreativen Aebi zu eng. Er wollte nämlich seine neuste Idee - ein Entwicklungslabor für neue Telekommunikationsprodukte - nicht einfach fallen lassen, als diese bei der Geschäftsleitung der damaligen Diax auf kein Gehör stiess. So entschied er sich schliesslich zusammen mit seinen engsten Mitarbeitern, insgesamt ein Startkapital von rund 600 000 Franken zu investieren, um den Traum zu verwirklichen: Futurelab wurde ins Leben gerufen. Eigentlich wollten die Jungunternehmer nach den ersten Monaten Fremdkapitalgeber an Bord nehmen, um so den Aufbau weiter voranzutreiben. Doch die Krise machte dem Team einen Strich durch die Rechnung, so dass das Think-Tank-Unternehmen bis zum heutigen Tag lediglich aus eigener Kraft finanziert ist.

Das Ende des Kabelsalats

Auch wenn die Realität momentan von dem einstigen Traum abweicht, ist dieser bei Futurelab keineswegs in Vergessenheit geraten. Verschiedenste Produkteideen werden sozusagen in der Freizeit vorangetrieben. Unter anderem arbeitet man an einer Alternative zu der dritten Mobilfunkgeneration, UMTS. Dabei setzt das Team aus Winterthur auf WLAN. Hierfür wurden sogenannte Basisstationen entwickelt, die eine kabellose Übermittlung von Daten auch flächendeckend in ganzen Städten ermöglichen. Der Prototyp wurde im Garten des Firmensitzes von Futurelab in Winterthur installiert, so dass das Team nun ohne Probleme auf dem ganzen Grundstück mit seinen Laptops aufdas Internet zugreifen kann. Hierbei stellte vor allem der Wechsel zwischen zwei Hotspots bzw. Netzen eine Herausforderung dar. Die entsprechende Technologie wurde zusammen mit der Fachhochschule Winterthur entwickelt und soll nun in einem weiteren Schritt in einem grösseren geographischen Raum ausprobiert werden. Schliesslich hofft man auf die Zusammenarbeit mit bzw. den Verkauf des Patentes an eine grössere Firma.

 
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