Netzwoche vom 27. September 2000
Von Thomas Brenzikofer
Die Internet-Access-Gründer Catherine Rudolf und Matthias Aebi starten zusammen mit Stefan Müller (ehemals Prime Communication) das Start-up Futurelab. Ihre Businessidee: Sie wollen Telekommunikationsunternehmen mit fixfertigen Applikationen und Konzepten beliefern.
Mit der Ausverkaufs-Ankündigung des Gemischtwaren-Konzerns Sulzer wurde die ehemalige Industriestadt Winterthur von den Zürcher Medien einmal mehr zur Bedeutungslosigkeit degradiert. Zwar beschäftigt das Futurelab derzeit gerademal 11 Leute und will laut deren Gründern personell auch nicht unendlich wachsen. Doch immerhin zeigt das Start-up-Unternehmen, dass Winterthur als Keimzelle von Technologieunternehmen durchaus attraktiv ist: «Wir haben hier eine schöne Villa mit Garten gefunden», begründet der Zürcher Matthias Aebi die Standortwahl.
Auch über den anderen wichtigen Faktor bei der Firmengründung braucht sich Aebi keine Sorge zu machen: Geld ist vorhanden. 1998 hatte er zusammen mit seiner Lebens- und Geschäftspartnerin Catherine Rudolf seine Internet Access AG der Telekommunikationsgesellschaft Diax verkauft. Über den Kaufpreis schweigen sich Aebi und Rudolf, die bei Futurelab als COO fungiert, nach wie vor aus. Doch laut Aebi sei das Unternehmen für die nächsten beiden Jahre vorfinanziert. Weitere Investoren und ein IPO sind laut Aebi zwar nicht ausgeschlossen, würden aber erst mit einer Expansion ins Ausland Sinn machen. Laut Vertrag wäre Aebi eigentlich verpflichtet gewesen, noch bis Ende Jahr bei Diax zu arbeiten. Doch die Integration von Internet Access ins Unternehmen sei diesen Sommer vollzogen worden, womit sich seine Mission erfüllt habe. Dass er auch gleich acht Ingenieure vom ehemaligen INA-Team mitnimmt, findet Aebi normal. «Die Leute sind viel zu gut, um zu blossen Operators degradiert zu werden».
Futurelab sieht sich denn auch als Entwicklungs- und nicht als Serviceunternehmen. «Wir wollen nicht warten, bis die Kunden zu uns kommen, sondern selber Applikationen und Konzepte als Prototypen realisieren und diese dann an die Telekommunikationsgesellschaften verkaufen», erklärt Stefan Müller, Noch-Partner der Kommunikationsagentur Prime Communication und bei Futurelab als Chief Communications Officer der Dritte im Bund. Der Grund für diesen Business-Ansatz: «Zum einen wissen wir sehr genau, wo die Telcos der Schuh drückt. Zum anderen sind die Telcos meist derart vom Daily-Business absorbiert, dass sie gar nicht über einen Zeithorizont von sechs Monaten hinausblicken können», erklärt Aebi.
Bereits in zwei Monaten soll das erste Produkt lanciert werden. Daneben ist Futurelab auch in EU-Forschungsprojekte involviert und arbeitet an neuen Internetstandards. Neben Applikationen für die grossen Telekommunikationsunternehmen und Internetprovider will man auch für Grossunternehmen entwickeln. Hierbei arbeitet man insbesondere an Konzepten fürs «Office of the Future». In den eigenen vier Wänden hat man dieses bereits ein Stück weit realisiert: So wird bei Futurelab über IP telefoniert und alle Mitarbeiter haben von überall, sei es von unterwegs, vom Garten oder von Zuhause, Zugriff aufs interne Netzwerk. Auch das Papier wurde aus den Büros verbannt: Alle eingehende Post werde sofort eingescannt und digital verteilt.
|