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Zukunft in alten Mauern

Zürcher Wirtschaftsmagazin der Zürcher Kantonalbank ZKB 4/2000, Seite 10

Von Claudia Rudischhauser-Killer, Unternehmenspublizistik, Zürcher Kantonalbank

In einer nostalgischen Villa mitten in Winterthur generiert die Firma futureLAB marktfähige Ideen für den Telekommunikationsmarkt von übermorgen.

Schwalmenackerstrasse 4, Winterthur: Verträumt liegt die alte Villa im von Kastanienbäumen gesäumten Park. Dem 1790 erbauten stattlichen Herrenhaus liegen zwei kleinere Gebäude gegenüber, in denen früher unter anderem Pferde und eine Kutsche untergebracht waren. Beim Betreten des Grundstücks glaubt man sich in eine andere Zeit versetzt. Wer den Blick über die pflastersteinerne Einfahrt schweifen lässt, entdeckt allerdings bei genauerem Hinsehen zwei dezente Skulpturen mit der Aufschrift «futureLAB AG». Tatsächlich: futureLAB, ein auf Innovationen im Telekommunikationsbereich spezialisiertes Jungunternehmen, hat sich im alten Herrenhaus einquartiert und hier seinen Firmensitz. «Wir sind erst Anfang September hier eingezogen», erklärt Catherine Rudolf, COO. «Das Herrenhaus soll bis Dezember innen sanft renoviert werden.» Derzeit sin die Arbeitsplätze der elf Mitarbeitenden provisorisch im obersten Stock eingerichtet. Beim Gang durch die Büros wird klar, dass es sich bei futureLAB um ein zukunftsorientiertes Unternehmen handelt, das in Bezug auf Telekommunikation auf dem allerneusten Stand ist: In den Büros sind keine Kabel sichtbar, Daten werden via Funk übertragen. Auch Papier sieht man so gut wie keines. futureLAB verfügt neben einem Hochleistungsserver über ein drahtloses Netzwerk, über das neben allen Daten auch die gesamte Telefonie läuft.

Laber mit Visionen

«Unser Firmenname futureLAB ist selbstredend», antwortet Matthias Aebi, CEO und Ehemann von Catherine Rudolf, auf die Frage, was denn der Name bedeute. «Wir denken zukunftsorientiert und versuchen, Marktentwicklungen früh zu erkennen, um so möglichst grosse Innovationsschritte zu einem möglichst frühen Zeitpunkt zu machen. Wir arbeiten für Kunden, die sich in einem Markt bewegen, in dem es entscheidend ist, Innovationsschritte vor der Konkurrenz zu machen, die aber im eigenen Unternehmen neben dem Tagesgeschäft zu wenig Ruhe haben, um selbst so weit in die Zukunft zu denken und daraus konkrete Schritte abzuleiten.»

Die Nase im Wind

Nicht nur privat sind Catherine Rudolf und Matthias Aebi seit Jahren ein gut eingespieltes Team. Bereits 1995 gründeten sie gemeinsam die Firma Internet Access, einen Internet-Provider. «Da Internet Access eine recht kleine Firma war, konnten wir flexibel agieren und waren schnell», führt Catherine Rudolf aus. «Wir hatten die Nase im Wind, waren erfolgreich und wuchsen schnell.» Mit der Liberalisierung des Telekommarktes wurde die inzwischen rund 200 Mitarbeiter zählende Firma zur begehrten Hochzeitskandidatin. Schliesslich entschlossen sich Catherine Rudolf und Matthias Aebi, Internet Access an Diax zu verkaufen, und planten, selbst weiterhin im Unternehmen mitzuwirken. In der neuen Firma konnten sich die beiden allerdings nicht mehr in dem Masse einbringen, wie sie sich das als selbstständige Unternehmer gewohnt waren. Die Idee für futureLAB wuchs. Aebi: «Zunächst haben wir uns überlegt, ein 'Lab' bei Diax einzurichten. Wir kamen aber zusammen mit Diax zum Schluss, dass es besser ist, die neue Firma auf dem freien Markt zu positionieren, um das vorhandene Potenzial möglichst voll zu nutzen.»

Potenzial zum «Software Valley»

Im Mai dieses Jahres war es dann soweit: futureLAB wurde gegründet. Auf der Suche nach einem geeigneten Firmensitz stiessen die Jungunternehmer auf die Villa in Winterthur. «Winterthur ist ein idealer Standort», ist Matthias Aebi überzeugt. «Die Nähe zur Technischen Hochschule Winterthur ist für uns wichtig. Auch sind wir überzeugt, dass die leer stehenden alten Industriehallen weitere Jungunternehmen anziehen werden. Dadurch, dass die Stadt verhältnismässig klein ist, werden fruchtbare Netzwerke zwischen den Jungunternehmen entstehen. Winterthur hat das Potenzial zum 'Software Valley' des Wirtschaftsraums Zürich zu werden.» Und Catherine Rudolf fügt an: «Aber Winterthur hat noch mehr zu bieten, es liegt im Grünen, hat Charakter und eine attraktive Kulturszene.»

Sprung über die Landesgrenze

Derzeit arbeiten elf Personen bei futureLAB. Alle Mitarbeitenden sind am Unternehmen beteiligt. Catherine Rudolf und Matthias Aebi möchten futureLAB - was die Mitarbeiterzahl angeht - bewusst klein halten. Mehr als 20 Mitarbeitende soll die Belegschaft auch langfristig nicht zählen. «Eine unserer Stärken besteht darin, dass wir kurze Kommunikations- und Entscheidungswege haben und dadurch sehr flexibel sind», so Catherine Rudolf. Durchaus denkbar sei jedoch der Aufbau weiterer LABs an «heissen» Orten wie etwa Silicon Valley, Skandinavien oder Israel, führt Matthias Aebi aus. Die Nähe zu den Kunden sowie zu den modernsten Technologien wäre damit gegeben, die LABs hätten die Möglichkeit, sich über Trends weltweit auszutauschen und damit die besten Voraussetzungen, die Nase auch langfristig im Wind zu haben.

 
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